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Impaktgläser & -Steine
Ersten Berichten zufolge vernahm man vor mehr als bereits 200 Jahren aus der
Literatur über die so genannten “Chrysolithe“ aus Böhmen. Es waren
fremdartig wirkende, flaschengrüne und durchsichtige Gläser, die wegen ihres
Aussehens auch, “Bouteillensteine“ genannt wurden. 1844 fand man auf den
Inseln des Sunda - Archipels ähnliche Gläser. Ihre vielfach kugelige bis
tropfenartige Form sowie die zerfressen wirkende, zum Teil markante
Fließstrukturen, aufweisende Oberfläche deuten klar darauf hin, dass diese
Gläser aus einem Schmelzfluss entstanden sind.
Ihre heutige Namens-Bezeichnung „Tektite“ stammt daher aus dem (griech.
Tektos), welches geschmolzen heißt.
Bei allen Tektiten Funden fällt auf, dass keinerlei Beziehungen zur
Geologie und Mineralogie der Umgebung ihrer Fundstätte besteht. Sie
unterscheiden sich von allen anderen ,,natürlichen Gläsern“ (z. B. Obsidian)
durch eine hohen SiO²-Gehalt. Deshalb sind sie auch sehr schwer schmelzbar.
Hinzu kommt der ungewöhnlich niedrigen Wassergehalt, maximal 0,01 bis 0,09%.
Somit sind Tektite die wasserärmsten und “trockensten“ Gläser, die je in der
Nature bisher gefunden wurden. Auch die im Rieskrater entdeckten Gläser
enthalten ein Vielfaches davon (1,94 %). Selbst bei einer Kernexplosion
aufgeschmolzenes Gestein ist wasserreicher. Ebenso fehlen den Tektiten die
für Obsidian so typischen Einschlüsse von Mikrokristallen.
Auch scheiden die Tektite als Produkt vulkanischer Eruptionen von vornherein
aus. Zudem würde die Auswurfgeschwindigkeit bei Vulkanausbrüchen – max. 700
m/s – keinesfalls ausreichen, um die Ausdehnung der bekanten Streufelder (s.
Anhang) zu erklären. Ganz abgesehen davon, wurde in keinem Streufeld ein
Vulkan ausfindig gemacht. Ebenfalls ihr hoher Schmelzpunkt ( 1200 – 1400° C
) spricht gegen eine vulkanische Herkunft.

Alle
bekannten Tektiten - Streufelder:
1: Moldau (Böhmen); 2: Südostasien; 3: Elfenbeinküste; 4: Südstaaten der
USA; 5: Gebiet um Irghiz
( GUS ); 6: Fundgebiet des Libyschen Wüstenglases
Handelt es sich bei Tektiten möglicherweise um eine besondere Gruppe von
Meteoriten? Sind es vielleicht “Glasmeteoriten“? Schon die ersten chemischen
Analysen brachten es an den Tag, und es ergab, dass zwischen Tektiten und
Meteoriten keine Verwandtschaft besteht. Tektite bestehen vorwiegend aus
Kieselsäure ( SiO², etwa 70 – 80% ), Tonerde ( Aluminiumoxid AL²O³, 11 – 15%
) sowie geringen Anteilen u. a. an Nickel, Eisen, Mangan, Titan, Barium,
Chrom, Kalium, Kalzium und Natrium. Insgesamt zeigen Tektite weltweit einen
relativ ähnlichen Chemismus, obwohl auch innerhalb ein und desselben
Fundgebietes leichte Abweisungen vorkommen können.
Hier ein Gegenüberstellung zwischen Meteorite und Tektite, dieser ergibt
weitere wichtige Unterschieds-Merkmale, welches die nachfolgende Tabelle im
Überblick zeigt:
Meteoriten: Tektite:
arm an
SiO² reich
an SiO²
arm an AL²O³
reich an AL²O³
reich an schweren Gemengteilen wie Fe arm an
schweren Gemengteilen
relativ leicht schmelzbar
schwer schmelzbar
enthalten wenig Glas
enthalten viel Glas
Auch wenn jene bizarren
Gläser nicht mit Meteoriten Artgleich sind, ihre Genesis im Zusammenhang mit
großen Meteoritenabstürzen bzw. der Entstehung großer Einschlagkrater ist
heute weitgehend anerkannt. Tektite werden nur innerhalb bestimmter Gebiete
der Erde gefunden, der so genannten Streufelder. Folgende bekannte
Streufelder existieren auf unserer Erde.
Abb.: 1. Das Gebiet der
Moldau in Böhmen und Mähren:
Der tiefdunkel, flaschengrüne Moldavite aus dieser Region fand bereits 1787
seine Aufmerksamkeit. Zum Schmuckstein verarbeitet, entfaltet er seinen
vollen Anreiz. Das Alter dieses
Moldavite – Tektite, - welcher der einzige Tektit der Welt, der als
Edelstein anerkannt ist-, wird auf rund 15
Millionen Jahre eingeschätzt (s. Farbb. 36).
Abb.:2. Das
australasiatische Streufeld:
Es schließt folgende Gebiete von Australien und Südostasien ein:
a) Indochina -Indochinite seit etwa 1930 bekannt-
b) Malaiische Halbinsel, die Inselwelt Südost – Asien -u. a. Javanite,
Billitonite-
c) Philippinen -Philippinite seit 1926, häufig auch als Rizalite bezeichnet-
d) Südliche Gebiete von Australien –Australite-
Die Australite, die zum Teil auch auf dem Ozeanboden im Bereich des
Streufeldes gefunden werden, sind rund 0,7 Millionen Jahre alt.
Das südostasiatisch – australische Streufeld ist mit einer Längenausdehnung
von rund 10.000 km und einer Flächegröße von fast einem Zehntel der
Erdoberfläche das uns bekannteste Fundgebiet
(s. Farbb. 38 – 41).
3. Das Streufeld der
Elfenbeinküste:
Seit 1935 ist uns das Fundgebiet der Elfenbeinküste bekannt. Das Alter der
dort gefundenen Tektite –-Ivorite- wurden auf rund 1,2 Millionen Jahren
bestimmt. Sie stammen aus dem Bosumtwi-Krater im westafrikanischen Ghana
gelegen. Er ist er mit einer Million Jahren einer der jüngsten
Einschlagskrater auf unserer Erde und bestens erhalten. Zudem weist er,
gemeinsam mit nur drei anderen der insgesamt 170 bekannten
Einschlagskratern, eine geologische Besonderheit auf - hier wurden die
obersten Gesteinsschichten während des Meteoriten-Einschlags in Glas – in
die uns bekannten Tektite- verwandelt und bis zu 1000 Kilometer Entfernung
nach Westen, in die heutige Elfenbeinküste geschleudert.

Bosumtwi-Krater-Ghana
Koordinaten: 6° 30' 26" N, 1° 24' 24" W
4.Südstaaten der USA:
Diese Tektite entstammen aus dem Nordamerikanisches Streufeld, des -Chesapeake-Bay-Kraters
der USA. Bekannt
unter den Namen:
Bediasite (USA, Texas, schwarz)
Georgiaite -USA, Georgia, grünlich-
Bediasite und Georgiaite
sind seit 1936 bekannt und mit ca.35 Millionen Jahren die bisher ältesten
uns bekannten Exemplare. Die ursprüngliche Ausdehnung dieses Streufeldes
umfasste die gesamte Südostküste der USA und reicht von dort über den Golf
von Mexiko bis in die Nähe von Caracas in Venezuela. Hochgerechnet wird
davon ausgegangen, das auf dem amerikanische Streufeld eine Masse von rund
einer Milliarde Tonnen Tektite niedergegangener ist. Hiervon sind allerdings
inzwischen die meisten der Verwitterung bzw. der Abtragung zum Opfer
gefallen.
Das Zentrum des
Kraters
liegt nahe der Südspitze der
Delmarva-Halbinsel
welche die
Chesapeake-Bay
vom
Atlantischen Ozean
abgrenzt. Er wurde erst Anfang der 1990 Jahre entdeckt. Mit einem
Durchmesser von etwa 85 km und einer Tiefe von 1,3 km ist es der größte
bekannte Impaktkrater in den USA. Der Krater ist vollständig unter jüngeren
Sedimentschichten
begraben und an der Oberfläche nicht mehr sichtbar.

Chesapeake-Bay-Kraters
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